In den letzten Monaten musste ich des Öfteren wichtige formale Briefe versenden und natürlich vorher erstellen. Einmal nahm ich mir die Zeit, dieses vernünftig mit LaTeX (freies Textsatzsystem) zu tun und war total begeistert: das Ergebnis sieht ungemein professionell aus und wenn man sich einmal eingearbeitet und eine Vorlage erstellt hat, ist jeder neue Brief extrem schnell und einfach zu erstellen — schneller und viel besser, als man es mit einer Office-Anwendung schaffen könnte. Als LaTeX-Neuling ist man jedoch auf eine Vorlage, an der man sich orientieren kann, angewiesen. Diese möchte ich mit diesem Beitrag liefern.
Die Vorlage ist für Briefe an deutsche Adressaten gedacht. Sie baut auf einer LaTeX-Dokumentenklasse auf, die alle relevanten DIN-Regeln automatisch umsetzt. Daher ist die Vorlage nicht unbedingt für Briefe an englische Adressaten geeignet — zumindest, wenn man penibel arbeiten und in diesem Fall entsprechend amerikanische oder britische Satzregeln anwenden möchte. Die Beschränkung auf deutschen Briefsatz führt auch dazu, dass ich diesen Beitrag auf Deutsch formuliere.
Die Vorlage
Das Ergebnis zuerst: letter.pdf
Der Brief ist schlicht, jedoch perfekt nach DIN-Regeln gesetzt, inklusive Faltmarken am linken Rand. Den zugehörigen Quelltext habe ich auf zwei Dateien verteilt:
- In einer Datei ist das Layout (z.B. Briefkopf) bzw. die anzuzeigenden Elemente definiert sowie Absenderdaten:
letter_options.lco
- Die andere Datei beginnt mit einer gewöhnlichen LaTeX-Präambel. In der Dokumentenklassendefinition wird obig beschriebene Datei eingebunden. Ansonsten befindet sich in dieser Datei fast nur noch der Inhalt des Briefes:
letter.tex
Wenn man eine LaTeX-Distribution installiert hat (z.B. MiKTeX) und über einen vernünftigen Editor verfügt (z.B. LEd, welcher funktional aber dennoch sehr schlank ist), muss man nur noch obige Dateien in ein Verzeichnis stecken, den Briefinhalt, Absender und Empfänger editieren und auf ein Knöpfchen drücken — schon hat man seinen professionellen Brief fertig im PDF-Format vorliegen und muss ihn nur noch ausdrucken. Dann kann man ihn anhand der Knickmarken korrekt falten und in einen Umschlag mit Sichtfenster stecken: die Empfängeradresse passt natürlich exakt.
Spielereien
Die eingesetzte Dokumentenklasse nennt sich scrlttr2 aus dem Koma-Script. Sie ist im scrguide dokumentiert. Wenn man sich dort einliest und dann mit den Einstellungen spielt, kann man z.B. den Briefkopf ein wenig verändern: other_head.pdf
Vielen Dank für die Zeitersparnis! Bin noch sehr unerfahren mit LATEX. Dafür hätte ich bestimmt Wochen gebraucht.
Die Briefe sehen mit dieser Vorlage sehr gut aus!
Das freut mich! (:
Hallo,
ich erhalte bei deinen Originaldateien (s.o.) die Fehlermeldung
! Package scrkbase Error: KOMA option `foldmarks’ has no value `BlmTP’.
Habe das TexLive 2009 installiert. Kannst du mir einen Tip geben?
Viele Grüße, danke
Hallo Eberhard,
ich gehe nach ein wenig Recherche davon aus, dass Deine verwendete Version von KOMA-Script zu alt ist. Also hast Du zwei Optionen:
1) Deine ältere Version benutzen und die Einstellungen ändern, z.b. anstelle von
foldmarks=true, foldmarks=BlmTPmal nur
foldmarks=trueprobieren.
2) Dein TexLive und somit auch KOMA-Script updaten. Dann sollte es auch mit “meinen” Optionen klappen.
Lass mich wissen, wenn Du erfolgreich warst!
Jan-Philip
Hallo Jan-Philip,
tolle Vorlage!!!
Aber wie kann man sowohl Festnetzanschluss als auch Mobiltelefon angeben?
Ciao
Christoph
Hey Christoph,
hier können wir ausnutzen, dass es für den Briefkopf die Variablen
fromphone, fromfax, fromurl, fromemailgibt. Wenn Du alle verwendest, bleibt die Mobilnummer auf der Strecke. Ich nehme aber mal an, dass Du z.B. auf die Faxnummer verzichten kannst. Dann können wirfromfaxeinfach missbrauchen und ein kleines Handy als Symbol benutzen.Auszüge aus einer Beispiel-.lco-Datei:
\RequirePackage{marvosym}muss da drin stehen für die Symbole.In den
\KOMAoptionskannst Du u.a. schreiben:Dazu passend z.B.:
\setkomavar{fromphone}[\Telefon~]{+49\,1337\, 80085} \setkomavar{fromfax}[\Mobilefone~]{+49\,137\,9999999} \setkomavar{fromemail}[\Letter~]{info@harry.com} \setkomavar{fromurl}[]{http://harry.com}Im Ergebnis sieht das bei mir dann so aus.
Wenn Du Schwierigkeiten hast, meld Dich nochmal
Hi Jan-Philip,
hat super geklappt, danke!
Was mir noch aufgefallen war, ich musste in der letter_options.lco das ß als \ss schreiben. In der letter.tex brauchte ich das nicht.
Ciao
Christoph
Bei mir klappt es auch mit ß
Damit es klappt, habe ich
\RequirePackage[latin1]{inputenc}in meiner lco-Datei.. Du musst dort das Encoding angeben, mit welchem Deine lco-Datei geschrieben ist.
Ahso! Bin noch relativ neu bei latex. Habe vorher noch nie was von lco-Datei gelesen, dachte es reicht, wenn es in der main steht.
Also Danke nochmal.
Super komfortabel und tolles Ergebnis.
Hat mir gerade erlaubt, noch schnell ein Bewerbungsschreiben
zu erstellen.
Werd ich weitererzählen!;)
Geil, geil, geil! Vielen Dank fürs Teilen!